Wahlärzte sind notwendig für ein funktionierendes Gesundheitssystem

Wahlärzte behandeln nur einen Bruchteil der medizinischen Leistungen in Österreich

Der Chef des Hauptverbandes der Sozialversicherungen, Alexander Biach, betont, man solle die Kirche im Dorf lassen, denn der generelle Bericht, es gäbe zu viele Wahlärzte im Verhältnis zu Kassenärzte, sei nur negative Presse. Zwar ist die Zahl der Wahlärzte mit knapp 10.000 höher als die der Kassenärzte mit ungefähr 8.150. Jedoch übernehmen Wahlärzte nur rund acht Prozent der medizinischen Leistungen und damit einen Bruchteil im Vergleich zu den Vertragsärzten der Krankenkassen. Hauptgrund für den Besuch beim Wahlarzt ist für Patienten immer noch die geringere Wartezeit. Biach betont, dass längere Wartezeiten nicht immer zu verhindern sind und deswegen seien Wahlärzte auch in Zukunft notwendig. Man arbeite jedoch an einer Verbesserung der Wartezeiten, was bisher auch bei den CT- und MRT-Untersuchungen gelang.

Kassenärzte bilden immer noch das Grundgerüst

Biach hebt hervor, dass das Gesundheitssystem auf den Kassenärzten aufgebaut ist und aktuell weniger als ein Prozent der Kassenstellen nicht besetzt. Man müsse den Beruf des niedergelassenen Arztes wieder attraktiver gestalten. Dies geschieht nicht ausschließlich mit dem Gehalt. Man müsse bei der Ausbildung ansetzen und neue Formen der Zusammenarbeit implementieren.

Wahlärzte decken wichtige Behandlungsmöglichkeiten ab

Johannes Steinhart, der Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer, sieht die Politik in der Pflicht mehr Versorgungseinheiten anzubieten und somit den Beruf des Kassenarztes attraktiver zu gestalten. Die Bürokratie muss deutlich einfacher zu handhaben sein und die Honorierung angepasst werden. Dennoch kann man nicht auf Wahlärzte verzichten. Diese decken bestimmte Bereiche der Behandlungen ab, die von den Kassenärzte nicht einheitlich behandelt werden können. Zudem ist die Wartezeit bei den Wahlärzten deutlich kürzer als bei niedergelassenen Kassenärzten.

Die Ausgaben der Versicherungen steigen stark

Aufgrund einer parlamentarischen Anfragebeantwortung stellte sich heraus, dass die Ausgaben der Sozialversicherung für Wahlarztleistungen von 2010 bis 2017 um knapp 50 % gestiegen sind. Waren 2010 noch rund 139 Millionen Euro so sind 2017 schon ganze 206 Millionen Euro gewesen. Das lässt sich teils auf die Inflation zurückführen. Jedoch ist ein Großteil auch der vermehrten Besuche der Patienten bei Wahlärzten geschuldet. Bedenklich ist diese Entwicklung jedoch keineswegs. Denn die medizinische Versorgung hängt nicht vom Einkommen ab. Jeder kann für sich entscheiden, ob ein Besuch beim Wahlarzt von Nöten ist.

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